Gemäss Titelseite der btb-Ausgabe äusserst sich der aus der ARD bekannte Buchkritiker Denis Scheck so zu diesem Buch: «Zieht einem den Boden unter den Füssen weg … Das ist grosse Literatur».
Nachdem ich aufgrund zahlreicher Ausgaben der Druckfrisch-Sendung von Denis Scheck, die ich mit Genuss und Vergnügen gesehen habe, sehr viel von Schecks Meinung habe, irritiert mich dieses Lob. Hier irrt Herr Scheck. «Trophäe» ist keine grosse Literatur. «Trophäe» ist ganz banaler Grosswildjägerkitsch.
Ich kenne die im Roman nicht näher bezeichnete Landschaft Afrikas von vielen eigenen Reisen ins südliche Afrika und liebe die Landschaften, Fauna und Flora der Steppen, Salzpfannen, Halbwüsten und Wüsten von Botswana, Namibia und Südafrika. Ich kenne auch den Ehrgeiz vieler Touristen, auf ihren Safaris die ,big five’ zu beobachten (also Löwen, afrikanische Elefanten, so genannte Kaffernbüffel, Leopard, Nashorn); aus der Literatur (nicht nur bei Hemingway) kenne ich auch die Gier der Grosswildjäger, die schönsten und grössten Exemplare der ,big five’ zu jagen, zu erlegen und deren ausgestopfte Trophäen zuhause auszustellen und damit als Beweis ihrer Männlichkeit, ihres jägerischen Könnens und damit auch ihrer Zahlungspotenz (für grosse wochenlange Wildnisexpeditionen, für einen grossen Begleittross und für erfahrene Führer etc.) ihre Frauen, Freunde und Besucher zu beeindrucken.
Was mir in «Trophäe» zum ersten Mal begegnet, ist die Sucht der Jäger, die Sammlung der grossen Ziele auf die ,big six’ zu erhöhen. Im Roman ist damit gemeint, dass der Mensch selbst zum Jagdziel wird. Die Art und Weise, wie der Grosswildjäger, dessen letztes Element der ,big five’, das Nashorn, ihm buchstäblich vom Zielfernrohr weggewildert wird, Ersatzbefriedigung im ,big six’ sucht und findet (mit Unterstützung oder mindestens Duldung der einheimischen Bevölkerung), ist schrecklich und ekelhaft. Dies ist umso mehr abstossend und abscheulich, weil mit keinem Wort versucht wird, die verbrecherische Motivation des Jägers oder die Mittäterschaft der betroffenen Bevölkerung nachvollziehbar oder gar verständlich zu machen.
Aus meiner Sicht gehört das Buch in die Abfallkiste von Denis Scheck. Und Herr Scheck sollte für seine Empfehlung damit bestraft werden, das Buch nochmals lesen und anschliessend gründlich besprechen zu müssen.