Mit total 329 Seiten ist die Geschichte der Beziehung zwischen Russland und China zwar nicht ganz kurz – in Anbetracht deren Dauer von über 400 Jahren aber auch akzeptabel.
Sie begann 1618, als der erste vom damaligen russischen Romanow-Zaren nach China entsandte Gesandte vom chinesischen Kaiserhof nicht einmal empfangen, sondern brüsk abgewiesen wurde. Das Buch umfasst die wechselvolle Geschichte der beiden Reiche, welche den grössten Teil des asiatischen Kontinents belegen, von den ursprünglichen ersten Kontakten bis zur heutigen ,grenzenlosen Freundschaft’, zeigt aber auch auf, dass diese Geschichte weder eine innere Logik hat noch von einem verbindenden ,gemeinsamen kulturellen Mythenkanon’ getragen wird. Im Gegenteil: «die ethnisch dominanten Gruppen beider Länder sind einander bis heute fern – kulturell, sprachlich und religiös» (Seite 14).
«China und Russland» ist gut lesbar, flüssig geschrieben und gut verständlich. Es verzichtet weitestgehend auf professorale Abgehobenheit. Seine historischen Analysen und Kommentare leuchten ein, ebenso seine Betrachtungen zur aktuellen, geradezu paradoxen Beziehung, in der sich die Abhängigkeitsverhältnisse zwischen ihnen zunehmend auf die Seite von China verlagern. Der rote Faden, der die Beziehung heute (noch) trägt, ist im Wesentlichen der gemeinsame Kampf gegen die Freiheit der westlichen Gesellschaften, welche das -diktatorische Rückgrat der in beiden Ländern dominierenden Autokraten gefährden könnte.
Es lohnt sich sehr, die wechselhaften und teilweise kriegerischen Beziehungen von Russland, der Sowjetunion und China anhand dieses bestens lesebaren Werks kennen zu lernen.